Félix Brunschwiler
zeigt sich enttäuscht über das Nein zur Tiefgarage in Schmerikon.
Seit dem Jahr 2020 fertigen Claudia und Guido Barmettler unter ihrem Label pLok.ch individuelle Naturholzprodukte. In ihrer Werkstatt am Winterhaldenweg entstehen Unikate, die ganz ohne Chemie auskommen.
Degersheim Ein unaufdringlicher Duft von frischem Arvenholz liegt in der Luft, wenn man die Garage am Winterhaldenweg in Degersheim betritt. Hier befindet sich das Reich von Guido Barmettler. Er ist ein gelernter Zimmermann, der sich in seiner Freizeit ganz dem Naturwerkstoff verschrieben hat. Was Ende 2019 eigentlich als kreatives Familiengeschenk für die Töchter gedacht war, entwickelte sich rasch zum Fundament für ein gemeinsames Herzensprojekt. Die damals angeschaffte Dekupiersäge zog vor allem den Familienvater in ihren Bann. Inspiriert von kleinen Holzschubladen aus Kanada begann er im Januar 2020 zu tüfteln, bis das erste eigene Schublädli fertiggestellt war. Heute ist das Label pLok.ch, dessen Name kurz sein und zum Material passen sollte, ein festes Familienprojekt. Die Aufteilung in der heimischen Werkstatt folgt dabei einer klaren Logik. Während der Zimmermann die gröberen Vorarbeiten übernimmt und neue Ideen ausprobiert, widmet sich seine Ehefrau Claudia den präzisen Schritten. «Sie bohrt, schleift, beschriftet, sortiert und verpackt die fertigen Stücke», sagt Guido Barmettler. Claudia ergänzt: «Sogar die Töchter Lynn und Amy helfen gelegentlich mit, wodurch die Werkstatt zu einem familiären Bindeglied wird.» Trotz der intensiven Arbeitsteilung entsteht das finale Design neuer Produkte meistens gemeinsam am Werkstatttisch. Viele Ideen entspringen Guidos Kreativität, doch gerade bei der Arbeit mit unvorhersehbarem Altholz oder Schwemmholz entwickelt sich die endgültige Form erst Schritt für Schritt. Dabei ist das Feedback der Familie ein wichtiger Gradmesser, wie Guido Barmettler schmunzelnd zugibt.
Das Ehepaar verzichtet bei der Herstellung konsequent auf Öle, Lacke oder chemische Behandlungen. Diese absolute Naturbelassenheit ist kein Zufall, sondern Ausdruck einer tiefen Überzeugung. «Wir möchten, dass unsere Produkte ehrlich und naturbelassen bleiben. Holz hat Charakter, Patina und Duft – das wollen wir nicht überdecken», erklärt das Paar. Jedes gefertigte Stück behält seine eigene Geschichte und darf mit der Zeit natürlich altern. Der Hauptwerkstoff, das duftende Arvenholz, stammt direkt aus Graubünden, während die restlichen Hölzer aus der unmittelbaren Region Degersheim bezogen werden. Grosse Holzmengen benötigt das Label nicht. Oft reicht ein einzelnes Brett, ein besonderes Fundstück oder Schwemmholz, welches die Familie gemeinsam sammelt. Der Rohstoff gibt dabei den Ton an. Guido Barmettler lässt sich beim Arbeiten gerne vom Material leiten: «Ich drehe, fühle und rieche an den Stücken, bis sich zeigt, was daraus werden kann.» Die natürliche, gewachsene Form des Baumes bestimmt somit im Vorfeld das fertige Objekt. Computergestützte CNC-Fräsen sucht man in der Werkstatt vergeblich, da jedes Stück komplett handgeführt und individuell verarbeitet wird.
Neben den charakteristischen Schublädli hat sich das Würfelspiel «tschau 6®» zum absoluten Bestseller des Labels entwickelt. Die Idee entstand aus dem Wunsch heraus, ein einfaches Naturprodukt für Jung und Alt zu schaffen, das im Gegensatz zu bekannten Varianten kompakter und reisetauglicher ist. Der Name ergab sich spontan in Anlehnung an das Kartenspiel «Tschau Sepp». «Getestet werden neue Spielideen, zu denen mittlerweile auch die kleineren Ableger 'tschau 3' und 'tschau 9' gehören, direkt am Küchentisch», verrät der Familienvater. Die eigene Familie fungiert dabei als ehrlichste Jury, die direkte Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge liefert. Ergänzt wird das Sortiment durch personalisierte Objekte, die mittels Lasergravur verziert werden. Ein besonderer Auftrag blieb den beiden nachhaltig in Erinnerung: Ein Kunde wünschte sich zur Pensionierung ein graviertes Caravan-Gespann rund um das Würfelspiel. «Noch emotionaler war die Anfrage einer Kundin, die für ihren todkranken Ehemann eine Aufbewahrung für Erinnerungsstücke suchte», sagt Claudia. Guido fügt hinzu: «Aus diesem Wunsch entstand ein grosses Herz aus Arvenholz.»
Der Verkauf der Produkte erfolgt online, nach Vereinbarung direkt vor Ort oder auf regionalen Märkten. Besonders dort schätzt Guido die Stärken seiner Frau, die stundenlang mit Ausdauer, Offenheit und Freundlichkeit am Stand präsent bleibt. Der direkte Kundenkontakt ist für pLok.ch essenziell, da handgemachte Waren im digitalen Raum oft untergehen. Im persönlichen Gespräch spüren die Menschen die Geschichte hinter den Stücken. «Obwohl die Werkstattgarage gelegentlich aus allen Nähten platzt, bleibt ein grosses, externes Atelier vorerst ein ferner Traum», offenbart das Paar. Die Kombination aus Wohnen im oberen Stockwerk und Arbeiten im Erdgeschoss sichert dem Ehepaar die nötige Balance zwischen dem Herzensprojekt und der wertvollen Familienzeit.
Benjamin Schmid
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