Cornelia Vonlanthen Schildknecht
weiss, worauf Jugendliche bei der Lehrstellensuche achten sollten.
Cornelia Vonlanthen Schildknecht, Stellenleiterin der Berufs- und Laufbahnberatung See-Gaster
Der Lehrstellenmarkt in der Region See-Gaster ist gut. Trotzdem bleiben in gewissen Branchen Ausbildungsplätze offen, während andere Berufe bei Jugendlichen besonders gefragt sind. Cornelia Vonlanthen Schildknecht, Stellenleiterin der Berufs- und Laufbahnberatung See-Gaster, erklärt, worauf Jugendliche bei der Lehrstellensuche achten sollten und wie sie ihre Chancen verbessern können.
Cornelia Vonlanthen Schildknecht, wie präsentiert sich die Situation auf dem Lehrstellenmarkt in den letzten Jahren?
Der Lehrstellenmarkt ist weiterhin sehr gut. Wir erleben aber, dass Angebot und Nachfrage nicht immer zusammenpassen: Gewisse Berufe sind bei Jugendlichen sehr beliebt, während in anderen Branchen deutlich mehr Lehrstellen offen sind. Die Herausforderung besteht oft auch im richtigen «Matching». Die Interessen und Fähigkeiten der einzelnen Jugendlichen müssen zum jeweiligen Beruf und zu den Ansprüchen des Lehrbetriebs passen.
Welche Branchen sind denn weniger beliebt?
In technischen und handwerklichen Berufen gibt es vermehrt offene Stellen, teilweise auch im Gesundheits- und Betreuungsbereich. Eine grosse Nachfrage hingegen besteht an kaufmännischen Lehrstellen und in Informatikberufen. Diese sind entsprechend rasch besetzt.
Als wie wichtig erachten Sie Schnupperlehren?
Als sehr wichtig. Jugendliche erhalten damit einen realistischen Einblick in den Berufsalltag und können so herausfinden, ob ein Beruf tatsächlich zu ihnen passt. Gleichzeitig lernen die Betriebe die Jugendlichen persönlich kennen. Wer sich engagiert zeigt und einen guten Eindruck hinterlässt, kann somit seine Chancen auf eine Lehrstelle deutlich erhöhen.
Und was können Jugendliche tun, wenn sie noch keine konkrete Vorstellung von ihrem Wunschberuf haben?
Dann ist es wichtig, auch ihnen unbekannte Berufe zu entdecken. Es lohnt sich, verschiedene Berufe kennenzulernen und in unterschiedlichen Berufsfeldern zu schnuppern.
Welche «typischen» Fehler beobachten Sie bei Bewerbungen häufig?
Oft sehen wir Bewerbungen, die zu allgemein gehalten sind oder Fehler und unvollständige Angaben enthalten. Besonders wichtig ist, dass die Motivation für den Beruf klar erkennbar ist. Die Jugendlichen sollten sich auch mit dem Betrieb auseinandersetzen und formulieren können, weshalb sie sich gerade bei diesem Unternehmen bewerben.
Dabei können die Eltern ihre Kinder sicherlich unterstützen.
Definitiv, sie haben eine wichtige Vorbildfunktion und nehmen eine zentrale Rolle ein im Berufswahlprozess ihrer Kinder. Wichtig ist, dass sie sich für die Berufswünsche ihres Kindes interessieren, aufmerksam zuhören, ermutigen und gemeinsam Möglichkeiten anschauen. Idealerweise fördern die Eltern die Selbstständigkeit ihres Kindes und bleiben gleichzeitig im Hintergrund zielführend am Thema Berufswahl dran. Auf keinen Fall sollten sie die Bewerbung vollständig übernehmen, sondern eher punktuell unterstützen. Dies kann sein, dass sie beispielsweise den Bewerbungsbrief auf grobe Schreibfehler kontrollieren oder Kontakte aus ihrem Arbeitsumfeld vermitteln.
Und an welchem Punkt sollten Jugendliche professionelle Unterstützung bei der Berufsberatung holen?
Die Jugendlichen können sich ab der zweiten Oberstufe bei uns für eine Beratung anmelden. Oft kommen sie zu uns, wenn sie noch keine klare Vorstellung haben oder verschiedene Optionen besprechen möchten. Dabei sind immer die Interessen und Stärken der Jugendlichen wichtige Wegweiser und wir helfen ihnen, diese mit den Berufen und ihren Anforderungen zu vergleichen. Wir begleiten auch bei der Lehrstellensuche und bei Bewerbungen. Ausserdem hat der Kanton St.Gallen im August eine zentrale, digitale Plattform für die Berufliche Orientierung eingeführt, welches die Jugendlichen durch den gesamten Berufe- und Schulwahlprozess begleitet und Schulen, Lehrbetriebe und Erziehungsberechtigte sowie die Berufsberatung vernetzt.
Zum Schluss: Welche Möglichkeiten gibt es für Jugendliche, die bis zum Lehrbeginn keine passende Lehrstelle finden?
Das ist kein Grund zur Panik. Es gibt kantonale Brückenangebote wie zum Beispiel das Berufsvorbereitungsjahr oder die Vorlehre. Aber auch andere Lösungen sind denkbar, etwa ein Au Pair Jahr oder ein Sprachaufenthalt. Wichtig ist, die Zeit gezielt zu nutzen und dranzubleiben. Manchmal lohnt es sich, die getroffene Berufswahl noch einmal zu überdenken. Vielleicht sind die Anforderungen des Berufes zu hoch oder das Lehrstellenangebot im Wunschberuf zu klein, sodass es einen Plan B braucht.
Shannon Senn
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